Property of the State

Filmkritik zu:

Property of the State

von Reinhard

gesehen auf dem „Galway Film Fleadh 2016“

 

Über den Film:

Es war eines der schlimmsten Verbrechen Irlands. Eines das die Insel erschütterte. Drei Menschen waren tot, darunter ein kleines Kind. Konnte man so jemanden Lieben? Aber was blieb einem übrig, wenn es der eigene Bruder war?

Anne Marie O´Donnell (Aisling Loftus) war die Ältere. Ihr Bruder Brenden (Patrick Gibson) der jüngere Bruder. Ein Bruder, der schon immer etwas seltsam war. Geschlagen vom gewalttätigen Vater. Aufgezogen in einem hierarchischen Schulsystem, das aber nur ein Abbild der Gesellschaft war. Der Bruder vertraute der Schwester mehr als der Mutter. Allen anderen sowieso nicht.

Und er konnte aggressiv werden, wenn ihm etwas nicht gefiel. Irgendwann, als die Eltern nicht mehr weiter wussten, und die Ärzte auch nicht, begann man ihn mit Medikamenten ruhig zu stellen. Valium, in z. T. großen Dosen, wurde verabreicht. In einer neuen Schule wird alles, erst mal, besser. Bis sich der Junge eines Tages weigerte in die Schule zu gehen. Die Gründe sind lange unklar.

Dann kam ein Bruch, eine Zäsur. Die Mutter starb. Der Junge wurde endgültig aus der Bahn geworfen. Die Kinder kommen zu den Großeltern, die aber auch überfordert sind.

Jahre später kommt, was sich seit langem angekündigt hat. Beim „Spaß haben“ mit dem Gewehr schießt Brendan auf Menschen, darunter Polizisten. Es beginnt eine Odyssee zwischen Gefängnissen und psychiatrischen Anstalten. Gewalt von Wärtern und Mithäftlingen setzt dem ohnehin labilen Jungen zu. Mehrere Selbstmordversuche folgen. Bis er, Jahre später, seine Strafe abgesessen hat, und als geheilt entlassen wird.

Danach folgt ein unstetes Leben. Im wesentlich auf der Straße. Irgendwo etwas zu Essen besorgen. Irgendwo schlafen. Oft bei der Schwester schnorren, die inzwischen selbst Mutter ist. Und manchmal, so heißt es im Film, ist Brendan wie ein Kind, und im nächsten Moment wie ein Monster. Es ist eine solche Situation, bei der er sie mit einem Messer angreift, fast das Baby umbringt.

Und er kommt wieder in eine Anstalt, verraten von dem letzten Menschen, dem er vertraute. So zumindest muss er es empfunden haben.

Die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. Aber man kann sich denken, wie es weiter geht. Die Iren kennen den Ausgang ohnehin. Als das Ganze, Anfang der 90er Jahre, passierte, war die Empörung in Presse und Bevölkerung groß. Jeder, der zu dieser Zeit Zeitungen gelesen hatte, kennt zumindest das letzte Kapitel. Nicht zuletzt die Schwester musste den Hass ertragen.

Aber nicht nur der junge Mann, Brendan war wohl 21 Jahre alt, auch sein Umfeld war schuldig. Und ist eigentlich die Geschichte die der Film erzählt. Manchmal plakativ. Manchmal mit Schockeffekten. Aber, alles zu zusammen, sehr überzeugend. Etwa die Szene in der Küche, als er aus einer Nichtigkeit heraus seine Schwester angreift. Wie innerhalb eines Moments, innerhalb weniger Sekunden, aus dem Bruder das Monster wird, von dem schon vorher die Rede war.

Dennoch überwiegt das Mitleid mit dem Mörder. Nicht zuletzt, wenn er im Gerichtssaal kaum noch mitbekommt, was um ihn herum passiert, so vollgepumpt mit Beruhigungsmitteln und anderen Drogen ist er. Und das ist auch das Problem mit dem Film. Der Zuschauer hat nicht wirklich eine Chance sich eine eigne Meinung zu bilden. Alles wird aus der Sicht der Schwester gezeigt. Und deren Meinung ist von der ersten Minute des Films klar. „Wie kann man jemanden Lieben, der so ein Monster ist“

Daher, für Irland, ein wichtiger Film, stark gespielt. Besonders von, Patrick Gibson, Schauspieler des Erwachsenen Brendan. Wichtig für die Frage des Umgangs mit geistig und emotional behinderten Straftätern. Und ein Erlebnis.

Technisches:

Regie:
Kit Ryan Andere Filme: Dementamania (2013), Botched (2007)

Buch:

  • Susan Morrall Andere Filme: Liebe in Zeiten des Krieges (1998), Past Into Present (1996)
  • Kit Ryan Andere Filme: –
  • Peter Woodward Andere Filme: Anything But Christmas (2012), Unthinkable – Der Preis der Wahrheit (2010), Closing the Ring (2007)

Schauspieler:

  • Patrick Gibson (als Brendan) Andere Filme: Cherry Tree (2015), Gold (2014), What Richard Did (2012)
  • Aisling Loftus (als Ann Marie) Andere Filme: Stolz und Vorurteil & Zombies (2016), Oranges and Sunshine (2010), Help! I’m a Teenage Outlaw (2004)
  • David Rawle (Brendan als Teenager) Andere Filme: Moone Boy (2012-2015), I’ve Been a Sweeper (2014)

Kamera:
Gerry Lively Andere Filme: Dementamania (2013), Never Look Back (2000), Hellraiser 4 – Bloodline (1996)

Musik:
Pol Brennan Andere Filme: An Bronntanas (2014), Kings (2007), Allein gegen das Verbrechen (2000)

Laufzeit: 107 Minuten
Genre: Drama
Kinostart: noch kein Termin für Deutschland
IMDB: imdb

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Da es (noch) keinen Trailer gibt, hier ein Interview mit den Regisseur

Über reinhard

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Dieser Eintrag wurde in 2016, Galway, Galway-2016 veröffentlich. Erstelle ein Lesezeichen vom Permanentlink.

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