The Dark Wind

Filmkritik zu:

The Dark Wind

von Reinhard

 
Es ist eine glückliche Zeit als die schöne Pero, Dimen Zandi, und Reko, Rekish Shahbaz, sich verloben. Auch wenn es in europäischen Augen etwas befremdlich ist, wenn sich die Eltern, zusammen mit den Dorfältesten einigen, während die zukünftige Braut den Vorgang durch einen Vorhang beobachtet.

Doch dann bricht die Hölle los.

Denn wenige Tage später überfällt der „IS“ das Bergdorf. Wer kämpfen kann, holt sich sein Gewehr. Die anderen flüchten oder verstecken sich. Aber die Übermacht ist zu groß. In kürzester Zeit wird jeder Widerstand niedergewalzt. Dann werden die Häuser untersucht. Wer gefunden wird, wird gefangen genommen. Darunter Pero. Und während Reko seine Arbeit Arbeit sein lässt und sich schleunigst auf den Weg nach Hause macht, wird seine Verlobte verschleppt.

Den Albtraum, den diese in der nächsten Zeit erlebt wird, nur in wenigen Bildern angedeutet. Der Verkauf auf dem Sklavenmarkt ist dabei sicherlich noch einer der harmloseren Situationen. Und doch ist hier klar, wo die Prioritäten liegen. Wer jung und hübsch ist, erzieht einen hohen Preis, eine Jungfrau einen höheren. Mütter, womöglich noch Christen, gibt’s dagegen für den halben Preis. Die Jesidin Pero beschert ihrem Besitzer jedenfalls einen ansehnlichen Gewinn.

Während dieser Zeit versucht Reko und Peros Vater alles, um die junge Frau freizubekommen. Über teure Vermittler will man einen Kontakt herzustellen, um sie frei zukaufen. Aber diese Versuche scheitern, erst mal. Inzwischen ist die entkommene Dorfbevölkerung in einem Flüchtlingscamp der UN untergekommen und versucht, so gut es geht, sich einzurichten.

Dann geschieht das völlig Unerwartete. Pero ist frei und kommt bei ihrer Familie, in der Zeltstadt, unter. Doch die Frau ist völlig verstört. Spricht kein Wort und verweigert jede Nahrung.

Nur langsam, ganz langsam öffnet sie sich wieder. Nimmt Kontakt zur Außenwelt auf. Bereit sich jederzeit zurückzuziehen, wenn irgendetwas Bedrohliches oder auch nur Unerwartetes passiert.

Und tatsächlich ist es der Schauspielerin Dimen Zandi zu verdanken, dass diese Wandlungen überzeugend rübergebracht werden. Von der selbstbewussten Braut zur Sklavin zu dem psychische Wrack zu der sich ganz langsam öffnenden Blume. Denn hier erst beginnt der Film wirklich. Nicht der Mörderstaat IS steht im Vordergrund, es sind die Menschen, die selbst viel durchgemacht haben. Und dennoch einem Menschen wie Pero nicht einfach aufnehmen können.

Denn auch wenn die Ältesten und die Priester die Betroffenen von aller Schuld freigesprochen haben, ist das unter den Flüchtlingen längst nicht so eindeutig. Der Wunsch sich abzugrenzen, auch wenn dann jemand wie Pero hinten runter fällt, ist bei manchen übermächtig. Und das sind nicht nur die Zaungäste, denen die Geschichte im gemeinsamen Treff erzählt wurde. Es sind auch Menschen, die sehr nah am Geschehen dran waren.

Es geht also eher um eine Betrachtung des menschlichen Handelns, als eine „inspired by real storys“ Geschichte über eine aktuelle politische Situation, einen gegenwärtigen Krieg. Und womöglich sollten wir im Westen nicht so sehr die Nase rümpfen über so ein Verhalten. Es ist noch nicht so lange her, das wir gezeigt haben, das wir auch nicht besser sind.

Auch wenn nicht alle schlecht sind oder waren. Ja, selbst wenn die Mehrheit großzügige und verständnisvoll ist. Aber auch bei uns hat die afd mit ihren einfachen Antworten auf komplexen Fragen etwa jeden zehnten Deutschen für sich gewinnen können, in manchen Regionen spürbar mehr. In der Türkei baut der gewählte Volksvertreter, basierend auf einem 50%tigem Wahlergebnis, gerade die Gesellschaft um, hin zu einem intoleranten Staat. Und in Amerika hat Mr. Toupet mit seinen Hassreden es geschafft eine neue, schlechtere Zeit einzuleiten.

Technisches:

Originaltitel: Reseba

Regie: Hussein Hassan Ali Andere Filme: Û nergiz biskivîn (2006)

Buch:

Schauspieler:

  • Rekish Shahbaz (als Reko) Andere Filme: Die Schwalbe (2016), Pako (2015), Samyan (2013)
  • Dimen Zandi (als Pero) Andere Filme: –

Kamera: Turaj Aslani Andere Filme: Jahreszeit des Nashorn (2012), Erzähl es dem Wind (2009), Taraneh tanhaïye Tehran (2008)

Verleih: mîtosfilm

FSK:
Laufzeit: 92 Minuten
Genre: Drama
Kinostart:
IMDB: imdb

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Über reinhard

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