Toni Erdmann

Filmkritik zu:

Toni Erdmann

von Reinhard

 

Über den Film:

Der Hund ist tot.

Kurz, nachdem die Tochter da war. D. h. so richtig war sie nicht da. Sie hat die ganze Zeit telefoniert. Irgendwas Wichtiges. Es ist immer irgendwas Wichtiges.

Der Vater Winfried, gespielt von Peter Simonischek, ist nicht mehr der Jüngste. Er hat einen Hang zu schrägen Späßen. Da ist die Ankündigung, dass er jetzt für das Hospital arbeitet, pro Exitus gibt’s 50 €, noch einer der harmloseren. Die falschen Zähne, die er sich immer wieder reinsteckt, gehören dagegen definitiv in die Kategorie peinlich.

Und jetzt ist sein Hund tot. Spontan entschließt er sich seine Tochter in Bukarest zu besuchen. Eine vorgezogene Geburtstagsüberraschung. Und überrascht ist Ines, gespielt von Sandra Hüller, schon als sie ihren Vater in der Hotellobby sieht. Sie beschließt aber, ihn nicht zu beachten. Sie ist gerade mit einem wichtigen Kunden unterwegs. D. h. sie schickt ihm dann ihre Praktikantin nach und arrangiert das er am Abend mit auf den Empfang des amerikanischen Botschafters kommt. Wobei das für sie eher ein Geschäftstreffen ist, denn ihr Kunde ist auch dort. Also wird Papi noch kurz instruiert, um was es überhaupt geht. Und dann geht’s ins Getümmel.

Also mit T-Shirt, kurzen Hosen und unrasiert lernt er dann das Arbeitsumfeld von Ihr kennen. Der Boss der Erdölgesellschaft, der sich von Ines und ihrer Firma beraten lässt, ist überraschend positiv von Winfried angetan. Und lädt dann ihn zu einem Zug durch die Klubs ein, und die Tochter ist natürlich ganz scharf drauf da mitzugehen. Allerdings läuft’s nicht so gut wie gehofft.

Jedenfalls quartiert sich Winfried dann erst mal bei seiner Tochter ein, für ein paar Tage. Dabei werden existenzielle Fragen angeschnitten, nach Glück und Zufriedenheit und so. Aber ein paar Tage später ist auch das vorbei, das schlimmste Wochenende von Ines ist vorbei. Denkt sie.

Denn am nächsten Abend, beim Treffen mit Freundinnen, tauch er wieder auf. Nennt sich jetzt Toni Erdmann, hat wieder sein falsches Gebiss drin und eine schreckliche Perücke auf. Er erfindet Storys, was er so macht. Und niemand merkt, dass Ines das Ganze superpeinlich ist oder das sie ihn überhaupt kennt.

Von da an taucht er immer wieder auf. Sei es auf dem Dachgarten beim Büro oder auf irgendeiner Party. Jedes mal ist er Toni Erdmann, aber mit unterschiedlichen Geschichten. Etwa das er auch diesen Tennisstar wartet, oder das er der deutsche Botschafter ist. Er lernt dadurch auch ihr Umfeld, wie Kollegen und Freunde, kennen. Und diese Leute haben eine sehr seltsame Begegnung.

Hier endet natürlich nicht die Geschichte. Im Grunde geht sie da erst so richtig los. Denn während sich die Tochter die ganze Zeit mit Händen und Füßen gewehrt hat, ihren Vater mitgenommen zu haben, taut sie jetzt so langsam auf. Nimm ihn auch, unnötigerweise, zu einem Geschäftstreffen mit. Und der verläuft auch anders als üblich.

Jedenfalls geht es in dem Film genau darum. Aber wenn ein Film als Vater-Tochter Drama angekündigt wird, geht ja keiner ins Kino. Wenn der Musiklehrer, kurz vor der Rente, einen Selbstfindungstrip startet und das Leben seiner Tochter ganz gehörig durcheinanderbringt, ist das auch nix, was den Zuschauer zieht. Es kann ja keiner Ahnen, dass es so Klasse umgesetzt ist. Die beste Sandra Hüller. Und Peter Simonischek ist bislang an mir komplett vorbei gegangen. Aber was soll man auch über den Film denken, wenn man überall nur die Ausschnitte sieht, wo Wilfried mit schlechtem Gebiss aussieht wie Loriot, der eine schlechte Loriot Parodie abliefert.

Das eigentliche Geschehen passiert sowieso da, wo man nichts sieht. In den Köpfen und zwischen den Szenen. Eigentlich unglaublich das man 2 1/2 Stunden braucht, um etwas zu zeigen das auf Zelluloid sowieso nicht einzufangen ist. Und noch unglaublicher das diese Unterfangen dann doch klappt.

Toni Erdmann ist mit der beste, deutsche Film der letzten Zeit, den ich gesehen habe. Und die Oscarnominierung hat er sich jedenfalls verdient.

Auch kann nur sagen: angucken. Auch wenn es Szenen gibt, die furchtbar peinlich sind. Das gehört dazu, das nennt sich Leben.

Technisches:

Regie:
Maren Ade Andere Filme: Alle Anderen (2009), Der Wald vor lauter Bäumen (2003), Vegas (2001)

Buch:
Maren Ade Andere Filme: Alle Anderen (2009), Der Wald vor lauter Bäumen (2003), Vegas (2001)

Schauspieler:

  • Sandra Hüller (als Ines Conradi) Andere Filme: Vergiss mein Ich (2014), Über uns das All (2011), Brownian Movement (2010)
  • Peter Simonischek (als
    Winfried Conradi / Toni Erdmann) Andere Filme: Saphirblau (2014), Oktober November (2013), Mozart in China (2008)

Kamera:
Patrick Orth Andere Filme: Gold (2013), Schlafkrankheit (2011), Luks Glück (2010)

Musik:

  • Martin Hossbach Andere Filme: Doctor’s Diary – Männer sind die beste Medizin (2008-2011), Yella (2007), Hotel Very Welcome (2007)
  • Michael Muehlhaus Andere Filme: –

Verleih: NFP

FSK: 12
Laufzeit: 162 Minuten
Genre: Drama/Komödie
Kinostart: 14. Juli 2016
Wikipedia: wiki
IMDB: imdb

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Über reinhard

Ich bin der, der diesen Blog betreibt.
Dieser Eintrag wurde in 2016 veröffentlich. Erstelle ein Lesezeichen vom Permanentlink.

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