Train Driver’s Diary

Filmkritik zu:

Train Driver´s Diary

von Reinhard

 

Über den Film:

Man ist kein richtiger Lokführer, solange man nicht wenigstens einen Menschen überfahren hat.

Als der Film beginnt, hatte Ilija, Lazar Ristovski, gerade wieder so einen Fall.

Als dann der psychologische Dienst der Bahn zwei junge Psychologen schickt, die den Zugführer helfen sollen, endet es damit, das die Frau schnell verschwindet, und der Psychologe, nach der sehr plastischen Schilderung des Unglücks selbst Betreuung braucht. Und diesen von dem abgeklärten Ilija auch bekommt.

Denn es ist nicht sein erster Fall. Zusammen mit seinem Vater waren es mehrere duzend Tote, die auf den Gleisen blieben. Natürlich war der Zugführer immer unschuldig. Was kann er auch anderes machen als schnell bremsen und zu hoffen, dass es noch reicht.

Wenig später reicht es. Ein Junge, gerade mal zehn Jahre alt, wartet auf den Gleisen auf die Erlösung. Aber diesmal war der Bremsweg kurz genug. Sima, Petar Korac, ist gerade aus dem Waisenhaus abgehauen. Seine Eltern sind bei einem Flugzeugabsturz in Australien umgekommen. Oder man hat ihn einfach ausgesetzt. Das ist nicht so klar. Aber er mag die neuen Eltern nicht, an die er weitergereicht werden soll. Jedenfalls nimmt Ilija das Kind erst mal bei sich auf.

Jahre später ist Soma immer noch bei dem Alten. Aus dem Kind ist ein junger Mann geworden. Einer der seinem Vorbild nacheifert, und am liebsten auch Zugführer werden will. Die Ausbildung bei der Bahn hat er auch mit Bravour bestanden. Aber eine Umarmung gibt es von „Onkel“ wieder nicht. „Das ist nicht üblich in meiner Familie“ heißt es dann. Bei der Abschiedsfeier sitzt er mit den anderen, alten Lokführern zusammen. Und jeder von denen erzählt, wie viele Menschen er schon überfahren hat. Nur unser Grünschnabel kann da nichts vorweisen. Tatsächlich ist er noch nie eine Lok gefahren. Aber zuerst wird er ohnehin bei der Instandhaltung eingesetzt, er darf die dreckigen Locks abspritzen. Nicht wirklich sein Traum.

Jedenfalls strotzt die Geschichte nur so vor skurrilen Einfällen. Etwa das der Lokführer in ausrangierten, und schön Eingerichteten Waggons wohnt, und in der Halle in der diese stehen Ein Meer von Blumen gepflegt werden. Oder die Betreiberin des Waisenhauses den Arzt nicht holen kann, weil dieser betrunken im Bett liegt. Oder die erste Fahrt die Soma allEin macht. Nicht ganz freiwillig und definitiv nicht entspannt.

Aber dahinter verbirgt sich Eine Vater Sohn Geschichte. Ein Neuling, der sein Vorbild anhimmelt, und diesem, das gar nicht recht ist. Ein Film über älter werden und Alt werden. Und das man, um weise zu werden, sich manchmal auf die Schienen legen muss.

Und wenn einem, hin und wieder, dass lachen im Hals stecken bleibt, dann gehört dass auch dazu. So wie der Bus mit den sechs Zigeunern.

Ich hoffe wirklich, das dieser Serbisch Film einen deutschen Verleih bekommt. Und auch andere Leute nicht wissen, ob man über so was lachen darf.

Technisches:

Originaltitel: Dnevnik masinovodje

Regie: Paolo Virzì Andere Filme: Falling into Paradise (2004), Mali svet (2003), Zagreb-Beograd preko Sarajeva (1992)

Buch: Paolo Virzì Andere Filme: Falling into Paradise (2004), Mali svet (2003), Corba od kanarinca (2001)

Schauspieler:

  • Lazar Ristovski (als Ilija) Andere Filme: Auf kurze Distanz (2016), The November Man (2014), Gott verhüte! (2013)
  • Petar Korac (als Sima) Andere Filme: Maestro (2016), Za kralja i otadzbinu (2015)
  • Pavle Eric (als Mali Sima) Andere Filme: –

Kamera: Dusan Joksimovic Andere Filme: Die Parade (2011), The Box (2011), Neprijatelj (2011)

Musik:

  • Mate Matisic Andere Filme: Halimin put (2012), Niciji sin (2008), Dva igraca s klupe (2005)
  • Simun Matisic Andere Filme: S one strane (2016)

Verleih: – noch kein deutscher Verleih –

FSK: ab 12
Laufzeit: 85 Minuten
Genre: Komödie/Tragödie
Kinostart:
IMDB: imdb

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Über reinhard

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