Moonlight

Filmkritik zu:

Moonlight

von Reinhard

Drei Geschichten, eine Geschichte. Drei Fragmente eines Lebens. Eine Entwicklung. Zum Besseren? Wer weiß.

In der ersten Geschichte ist Little noch naja sehr klein. Zudem Schwarz, weswegen sein bester Freund ihn Nigger nennt. Er lebt in einer üblen Gegend. Hat eine Süchtige als Mutter. Aber viel schlimmer, die anderen Kinder hänseln ihn. Bezeichnen ihn als Schwuchtel, wobei wohl keiner von denen weiß, was das bedeutet.

Dann wird er von seinem Vater gerettet. Also nicht seinem richtigen Vater. Aber jemand der einem Vater am nächsten kommt. Der dafür sorgt, dass er etwas zu Essen bekommt. Und einen Schlafplatz hat. Dabei redet Chiron, das ist der Name, den Little von seiner Mutter bekommen hat, kaum ein Wort. Aber er wird praktisch adoptiert. Was seiner Mutter gar nicht gefällt. Besonders da der Wohltäter selbst Drogendealer ist. Einer der seiner Mutter das Zeug verkauft.

Bis zur zweiten Geschichte sind sechs oder acht oder zehn Jahre vergangen. Chiron ist vielleicht 15 oder 16. Ansonsten hat sich eigentlich nix geändert. Die Schule ist immer noch die Hölle, mit der Mutter geht es immer weiter abwärts. Der beste Freund ist immer noch der beste Freund. Nur der Wohltäter ist gestorben. Und Chiron wird eine bemerkenswerte Erfahrung machen.

Aber die Situation in der Schule wird immer schlimmer, eskaliert. Bis dann … aber das würde hier zu weit führen.

Es sind zehn Jahre, oder so, vergangen. Chiron ist nicht wieder zu erkennen. Aus dem schmächtigen Kerlchen ist ein muskelbepackter Typ geworden. Mit dem gleichen Outfit wie sein Ziehvater. Von der komischen Mütze bis zur Krone auf dem Armaturenbrett.

Und er hat auch das gleiche Business. Einen Block, für den er sorgt. Wo er dafür zuständig ist, dass die Drogen nie ausgehen. Aber das ist nicht Thema des Films.

Oder doch? Geht es nicht um das gute Gefühl? Ob das vom Joint kommt, oder weil man geliebt wird. Was spielt das für eine Rolle? Ob von der Mutter oder dem Freund oder dem Drogenboss der Gegend? Was solls? Was macht man nicht alles dafür, holt sich einen Lover, nur um den nächsten Schuss zu bezahlen. Nur für ein paar Minuten Glückseligkeit.

Oder man verabschiedet sich von allem dem. Legt sich einen Panzer zu. Keine Möglichkeit für Gefühle raus zu kommen, oder diese rein zu lassen. Aber kein Panzer ist unüberwindlich. Das muss Black, wie er sich jetzt nennt, in der dritten Episode lernen. Vielleicht war der Panzer doch keine so gute Idee. Vielleicht glimmt in der letzten Einstellung so was wie Hoffnung auf. Hoffnung für ein beschädigtes Leben. Und keiner hier hat keine Verletzungen erfahren. Vermutlich ist sogar der Schläger in der Schule, irgendwie, Opfer. So wie das Opfer Chiron selbst, sicherlich sehr oft, zum Täter wurde. Aber das wurde nicht gesagt, nur im Ansatz gezeigt. Er war gut in dem, was er machte, heißt es einmal. Der Rest bleibt dem Zuschauer überlassen.

Also Mitleid? Ja, Mit-Leiden. Ganz ohne Wertung. Ohne Sozialprogramm, ohne Besserwisserei. Einfach mitfühlen, ohne gleich die Lösung zu kennen.

Und das macht den Film für mich auch so schwierig. Der junge Chiron ist sehr passiv. Der Alte zu abgeklärt. Beide keine Identifikationspersonen. Kein das-kenne-ich-auch. Zumindest nicht für mich. Daher kann ich den Hype um den Film nicht verstehen. Ein guter Film, ohne Zweifel. Aber einen Oskar? Nein, nicht von mir.
Sehenswert ist er trotzdem.

Technisches:

Regie: Barry Jenkins Andere Filme: Futurestates (2011), Medicine for Melancholy (2008)

Buch:

Schauspieler:

  • Mahershala Ali (als Juan) Andere Filme: Free State of Jones (2016), Die Tribute von Panem – Mockingjay (2014), The Place Beyond the Pines (2012)
  • Shariff Earp (als Terrence) Andere Filme: –
  • Ashton Sanders (als Chiron) Andere Filme: Straight Outta Compton (2015), The Retrieval (2013)

Kamera: James Laxton Andere Filme: Holidays (2016), The Murder of Hi Good (2012), Sawdust City (2011)

Ton: Nicholas Britell Andere Filme: Free State of Jones (2016), Eine Geschichte von Liebe und Finsternis (2015), Gimme the Loot (2012)

Verleih: DCM Film Distribution

FSK: 12
Laufzeit: 111 Minuten
Genre: Drama
Kinostart: 9. März 2017

Homepage: Moonlight
IMDB: imdb
Wiki: wiki (engl.)

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Über reinhard

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