Strawberry Bubblegums

Filmkritik zu:

Strawberry Bubblegums

von Reinhard

gesehen auf dem FddF 2017

 

Über den Film:

Dumm, wenn man so von der eigenen Herkunft erfährt.

Als Lucy ihre Mutter in der Videothek entdeckt. Also einen Film mit Ihr. Also in dem speziellen Eck. Also ihre Mutter. Beste Freundin und Kumpel. In diesem Eck. Dem mit den Pornos. Da bricht eine Welt zusammen. Denn das Video ist dort aus gutem Grund.

Eine ganze Welt.

Mutti ist natürlich nicht davon erbaut davon, dass die Tochter diesen Teil ihres Lebens entdeckt hat. Sie weigert sich aber auch, sich dafür zu entschuldigen. Töchterchen ist irgendwie angepisst, verzieht sich zu ihrer Freundin. Diese ist begeistert von der Geschichte. Eine kurze Recherche im Internet zeigt, das Lucys Mutter ihre Karriere etwa zu dem Zeitpunkt aufgab, als Lucy unterwegs war. Die Freundin blubbert nur noch glückselig etwas vom „beim Pornodreh gezeugt“.

Allerdings will es jetzt Lucy wissen, wer ist ihr Vater? Der schöne Unbekannte vom Strand wird es wohl eher nicht gewesen sein. Und die hemmungslose Freundin hat auch schon vorgearbeitet. Die DVDs mit ihrer Mutter wurden chronologisch sortiert, mögliche Kandidaten ausgefiltert. Aber wie kommt man an die ran?

Bei einem der Kandidaten haben sie Glück der ist noch zu finden. Und an den hängt sich Lucy ran.
Uwe ist erst mal gar nicht erfreut. Besonders da klar ist, dass er eben doch nicht als möglicher Vater infrage kommt. Aber mit ihren großen Augen, und noch mehr Geld, lässt er sich dann doch überreden.

Und hier beginnt eigentlich der Film erst richtig. Einige der Namen auf der Liste kennt er, ruft diese an, macht Termine aus. Die Idee ist, dass diese nach und nach abgeklappert werden, und jeweils eine Speichel-, Haar-, oder andere DNA-Probe genommen wird. Das Labor macht den Rest und, wer weiß, vielleicht ist ja ein Treffer dadrunter.

Was folgt, ist eine Reise durch Deutschlands Pornoszene. Mit allen Tiefen und den tieferen Tiefen. Aber auch einigen Highlights. Punkten, wo gezeigt wird, dass es sich auch hier um Menschen handelt. Aber Menschen, für die es die Hölle wäre, über 40 Jahre den gleichen langweiligen Bürojob zu machen. Oder auch Menschen, die nur scharf sind auf das Geld, und dann keine Hemmungen kennen.

Alles wird hier präsentiert, auch wenn es – fast – nichts zu sehen gibt. Für einen Voyeur ist es jedenfalls der falsche Film. Für die unschuldige, abgebrühte Lucy ist es dann manchmal doch Zuviel. Aber in diesem Märchen in Bonbonfarben passiert ihr nichts Schlimmes, das ist ab der ersten Minute klar.

Und ein Märchen ist es, das hier produziert wurde. Von Selbstvertrauen und Selbstfindung. Von Liebe und Treue und Vertrauen. Und das alles in bunten Farben, viel Situationskomik und manchem tragischen Humor. Denn der Witz kommt nicht zu kurz und trägt über manche Durchhänger in dem Film. Aber gleich geht es zum nächsten Kandidaten, dem nächsten Abenteuer entgegen.

Also kein ‚großes‘ Kino. Keine griechische Tragödie. Eher die tagtägliche Katastrophe von ein-Ecke-weiter, wenn auch mit ungewöhnlichen Zutaten.

Sehenswert ist der Film allemal und bekommt von mir vier von sechs Hüten.

Technisches:

Regie:
Benjamin Teske Andere Filme: Fliehkraft (2013), Stillstand (2012), Nachtbus (2011)

Buch:
Cherokee Agnew Andere Filme: Fliehkraft (2013), Der Philatelist (2011)

Schauspieler:

  • Gloria Endres de Oliveira (als Lucy) Andere Filme: Frühling in Weiß (2014), Letzte Spur Berlin (2013), Schneewittchen muss sterben (2013)
  • André Hennicke (als Udo) Andere Filme: Das kalte Herz (2015), Die dunkle Seite des Mondes (2015), Victoria (2015)
  • Jasmin Tabatabai (als Paula) Andere Filme: Beutolomäus und die Wunderflöte (2011), Das Leben ist zu lang (2010), Vier Minuten (2006)

Kamera:
Niklas Lindschau Andere Filme: Mavi bisiklet (2016), Jesus Cries (2015), Seme – Schlage nicht, um zu gewinnen. Gewinne, dann schlage (2013)

Musik:

  • Riad Abdel-Nabi Andere Filme: Gut zu Vögeln (2016), Sams Kerst (2015), Die Kinder und der Mond (2012)
  • Wouter Verhulst Andere Filme: Sams Kerst (2015), Jupiter (2013)

Verleih:
Wild Bunch

FSK: 16
Laufzeit: 101 Minuten
Genre: Drama
Kinostart: 20. Oktober 2016
Wikipedia: wiki
IMDB: imdb

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Über reinhard

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