3 Tage in Quiberon

Filmkritik zu:

3 Tage in Quiberon

von Reinhard

 

Über den Film:

Ein Weltstar in einem Hotel. Eine Freundin, ein ihr bekannter Fotograf, und ein Reporter. Das ist die Aufstellung.

Ein deutscher Weltstar. Ja, das gab’s einmal, in den 80ern und davor. Und nicht irgendein Star. Der vermutlich einzige deutsche weibliche Star, der international berühmt wurde. Gemeint ist natürlich Romy Schneider.

Genau, die Sissi-Romy. Die, die irgendwann, nach dem Riesen Erfolg der Sissy Filme, nach Frankreich geflüchtet ist. Um dort weiter an ihrer Karriere zu arbeiten, um als Schauspielerin Ernst genommen zu werden, um ein Privatleben jenseits der Boulevardpresse zu haben. Und um endlich ich mehr Sissi sein zu müssen.

Und die hat einem Interview zu gestimmt. Als moralische Unterstützung kommt ihre Freundin aus Kindheitstagen. Sowie ein Fotograf den sie gut kennt. Und dann eben den Reporter vom Stern.

Aber erst mal kommt die Freundin und findet Romy ziemlich fertig im Bett. Eigentlich soll das Hotel dazu dienen damit die Berühmtheit von Alkohol und Tabletten runterkommt. Klappt aber nicht so.

Aber sie ist leidlich wieder hergestellt, als am späten Nachmittag die beiden Herren von der Presse ankommen. Und, stargerecht, auch diese erst mal Warten lässt. Und danach beginnt das Interview.

Man könnte glauben, dass Frau Schneider noch nie ein Interview gegeben hat. Es sind oft sehr intime Fragen. Nach dem Verhältnis zu ihren Kindern. Oder wie das war, als ihr erster Mann sich umgebrachte. Oder ob sie pleite ist. Und meist antwortet die Befragte auch. Oft mit Widerwillen, aber dann, um so überraschender, sehr offen.

Dabei bezeichnet der Reporter selbst die Presse als ein Haifischbecken. Und er ist der Hai. Aber ein Guter. Die Freundin ist da nicht so überzeugt. Warnt nur vor dem Kerl.

Und am Abend, als das Interview rum ist, der Druck genommen wurde, gehen die Vier auf Kneipentour. Und aus der angespannten, weltberühmten Schauspielerin wird ein junges, zweiundvierzigjähriges, Mädchen. Eines, das einfach nur einmal Spaß haben will. Das mit jedem sofort per Du ist. Alle für sich vereinnahmt. Unglaublich charmant, offen und verletzlich ist. Und die Regisseurin Emily Atef hat es geschafft, diese Verwandlung ohne Bruch einzufangen. Aber natürlich ist diese Leistung besonders Marie Bäumler zu verdanken.

Atef hat schon früher gezeigt, dass sie Frauenfiguren glaubhaft inszenieren kann. Ihr „Die Königin der Nacht“ sei jedem, dem dieser Film gefallen hat, ans Herz gelegt. Und hier gelingt dem Frauenduo ein beeindruckender bunter Film, gedreht in Schwarz/Weiss, über eine der europäischen, aber natürlich speziell deutschen, Ikonen des Nachkriegsfilms.

Und es gelingt ein Einblick in die Spannung zwischen Beruf und Mutter. Noch dazu, wenn man so in der Öffentlichkeit steht. Und Romys Statement, das irgendwelche erlogenen Schlagzeilen über sie nur noch ermüdend sind, ist mehr als überzeugend.

Daher bleibt mir nichts anders übrig als dem Film sechs von sechs Hüten zu vergeben. Deutsches Kino, wie es leider viel zu selten gibt.

Nachtrag: „3 Tage in Quiberon“ hat den Hauptpreis von … bekommen (ich muss mal nachschauen, was das genau war). Jedenfalls war das zurecht.

Technisches:

Regie: Emily Atef Andere Filme: Die Königin der Nacht (2017), Das Fremde in mir (2008), Molly’s Way (2005)

Buch: Emily Atef Andere Filme: Töte mich (2012), Das Fremde in mir (2008), Molly’s Way (2005)

Schauspieler:

  • Marie Bäumer (als Romy Schneider) Andere Filme: Im Gleichgewicht (2015), Der Geschmack von Apfelkernen (2013), Mitte Ende August (2009)
  • Birgit Minichmayr (als Hilde Fritsch) Andere Filme: Nur Gott kann mich richten (2017), Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte (2009), Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders (2006)
  • Charly Hübner (als Robert Lebeck) Andere Filme: Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt (2017), Vor der Morgenröte (2016), Bornholmer Straße (2014)
  • Godehard Giese (als Robert Gwisdek) Andere Filme: Heil (2015), Drei Zimmer/Küche/Bad (2012), Renn, wenn du kannst (2010)

Kamera: Thomas W. Kiennast Andere Filme: Gespensterjäger (2014), Das finstere Tal (2014), Das Wunder von Kärnten (2011)

Musik:

  • Christoph Kaiser Andere Filme: Wolfskinder (2013), Die verlorene Zeit (2011), Eden (2006)
  • Julian Maas Andere Filme: Der Staat gegen Fritz Bauer (2015), Wolfskinder (2013), Die verlorene Zeit (2011)

Verleih: Prokino Filmverleih
FSK: 0
Laufzeit: 115 Minuten
Genre: Drama
Kinostart: 12 April 2018

Homepage: Homepage
IMDB: imdb
Wikipedia: wiki

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Über reinhard

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