We are the Others

Filmkritik zu:

We are the Others

von Reinhard

 

Über den Film:

Das Angebot muss man gesehen haben. Er darf die Pläne für das neue Kulturzentrum erstellen. Ein Traum für einen Architekten. Und für ein Architekturbüro, das schon manche Preise eingeheimst hat. Ein Traum für einen jungen Architekten der bislang, außer einigen guten Ideen, kaum was vorzuweisen hat.

Besonders mit der mehrjährigen Lücke in seine Vita. Ein Traum.

Aber einer mit einem Haken. Es sind nämlich nicht seine Ideen. Offiziell jedenfalls. Es sind die Ideen seines Chefs, die er gegenüber den Mitarbeitern und dem Auftraggeber verkaufen muss. Denn dieser, der eigentliche Stararchitekt, ist verschwunden. Die Balkontür stand auf, einige Sachen sind verschwunden, aber anderes, von Wert, ist stehen geblieben. Also kein Überfall, oder doch?

Wurde es dem Stararchitekt zu viel, Stichwort Burn-out, und ist geflüchtet? So was hat er schon mal gebracht. Jedenfalls dient Überlastung als Begründung für den Neuen, seine Rolle. Dass dieser seinen Chef vom Studium her kennt, wenn auch eher oberflächlich, muss als Begründung reichen.

Aber es geht nicht um den Star der Firma. Der wird nie gezeigt. Auch nicht in Flashbacks, auch nicht in Bildern. Eine seltsame Lücke entsteht so in dem Film.

Es geht um den Neuen. Wie er in die Rolle des Vermittlers hineinschlüpft. Und ist mehr als Vermittler. Er wird, immer mehr, zu dem Mann dessen Ideen ja seine sind. Es beginnt bei Frisur und Gewohnheiten. Und hört bei der Geliebten nicht auf.

Dabei hat der Film eine Parallelhandlung. Noch jemand der in eine Rolle gerät, die nicht die Seine ist. Es ist der Versicherungsmensch, der der die verschwunden Bücher abhandelt. Er ist, zusammen mit dem Stararchitekten, verschwunden. Bei ihm war auch eine neue Rolle geplant, auch hier der Chef zu werden. Denn sein Schwiegervater verabschiedet sich in den Ruhestand. D.h. Verabschieden trifft es nicht ganz.

Es geht also um Identitäten. Um die Wandelbarkeit von Menschen. Wenn diese, zwar freiwillig aber doch überraschend, auf etwas Neues einlassen. Wer kommt mit der Aufgabe klar. Wer geht darin auf oder wer scheitert daran. Exemplarisch gezeigt an diesen beiden Männern.

Und mit einer Bildsprache die mehr als überzeugend ist. Besonders die Wandlung des Architekten ist eindrücklich. Gespickt mit Hinweisen im Film, deren Bedeutung oft erst im Nachhinein. Beim Denken oder Reden über den Film, offenbart wird. So was gefällt mir. Eben keine einfache, geradlinige Geschichte. Sondern etwas wo man die Lücke zwischen zwei Teilen auch mal ausloten muss.

Daher gibts von mir sechs von sechs Hüten.

Technisches:

Originaltiel: Nous sommes les autres

Regie: Jean-François Asselin Andere Filme: Plan B (2017), François en série (2006-2007), Déformation personnelle (2003)

Buch:

  • Jean-François Asselin Andere Filme: Plan B (2017), François en série (2006-2007), Déformation personnelle (2003)
  • Jacques Drolet Andere Filme: Plan B (2017), François en série (2006-2007)

Schauspieler:

  • Émile Proulx-Cloutier (als Frédéric Venne) Andere Filme: Un Printemps d’Ailleurs (2017), L’autre maison (2013), Operation Casablanca (2010)
  • Pascale Bussières (als Myriam lambert) Andere Filme: The Other Side of November (2016), Love Project (2014), Ein Engel im Winter (2008)
  • Jean-Michel Anctil (als Robert laplante) Andere Filme: Dans ma tête (2016), Lance et compte: Le grand duel (2009), De père en flic (2009)

Kamera: Mathieu Laverdière Andere Filme: The Cyclotron (2016), Alex – Süchtig nach Liebe (2014), Gabrielle – (K)eine ganz normale Liebe (2013)

Musik: Mathieu Vanasse Andere Filme: Crisis Point – Kritischer Punkt (2012), Mr. Average – Der Mann für alle Fälle (2006), Ten Days to Victory (2005)



Genre: Drama

IMDB: imdb
Wikipedia: wiki (fr.)

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Über reinhard

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