Vom Lokführer, der die Liebe suchte…

Filmkritik zu:

Vom Lokführer, der die Liebe suchte…

von Reinhard

 

Über den Film:

Nurlan (Predrag ‘Miki’ Manojlovic) führt ein einfaches Leben, und hat keine hohen Ansprüche. Keine unerfüllten Träume. Keine Visionen, die ihn aus seinem Dorf treiben würden.

Es ist Lokführer in seiner Heimat Aserbaidschan. Dort führt ihn seine Tour auch immer wieder die Vororte der Hauptstadt Baku. Eine gefährliche Strecke. Denn die Menschen Leben knapp neben den Gleisen. Ein Meter, manchmal weniger. Die Wäsche wird über den Gleisen getrocknet. Auf Diesen werden Tische und Stühle gestellt und die Männer vertreiben sich die Zeit mit ihren Brettspielen. Und Kinder spielen dort, alles ganz selbstverständlich.

Aber man hat sich arrangiert. Ein kleiner Junge ist abgestellt. Er versteht die Signale, kennt die Zeichen. Wenn die einen Zug ankündigen, dann rennt er mit Trillerpfeife und wedelnden Armen die Strecke entlang. Schreckt die Leute auf, damit diese die Tische beiseite räumen, die Wäscheleine leeren und abhängen. Ein Wunder, das hier nichts passiert.

Dabei passiert schon mal was. Ein Handtuch wird nicht rechtzeitig abgeräumt, ein Ball bleibt in der Lok stecken, dem dazugehörenden Kind ist aber glücklicherweise nichts passiert. Was man von dem einen oder anderen Huhn nicht sagen kann.

Darüber hinaus ist aber Routine angesagt, in diesem -quasi- Stummfilm. Denn es wird nichts gesprochen. Manchmal ein grunzen, das ist aber schon alles, was die Menschen von sich geben. Aber keine Dialoge. Was vermittelt werden muss, passiert mit Blicken. Manchmal mit Gesten, und häufig versteht der Gegenüber, auch sofort was gewünscht ist. Dabei gibt es alle sonstigen Geräusche im Film. Und auch Musik kommt vor. Einige der schönsten Momente entstehen, wenn der neue Kollege von Nurlan mit seinen Maschinen ein Klangkonzert produziert, das er dann nur noch durch seine kleine Trompete vervollständigt. Wunderbare poetische Momente, die mit wunderschönen Bildern komplettiert werden.

Aber Nurlan ist auch nur ein Mann, etwas fehlt. Diese Einsamkeit lässt sich doch besser zu zweit ertragen.

Bei einer seiner Fahrten sieht er, aus dem Augenwinkel, und nur für einen Moment, wie in einem Fenster sich eine Frau auszieht, den BH abstreift. Er ist hin und weg. Und tatsächlich bei der nächsten Ladung mitgenommener Wäsche ist eben dieser BH dabei. Nurlan ist verliebt.

Und so beginnt der Hauptteil des Films, die Suche nach der Trägerin. Eine Suche, die manche Einblicke biete. Manche Tiefen offenbart. Und mehr über den Menschen in Aserbaidschan, und überall auf der Welt, erzählt, als so manch anderen geschwätzigen Film.

Dabei ist die Erzählgeschwindigkeit eher als ruhig zu bezeichnen. Etwas auf das man sich erst einlassen muss. Dann aber wunderbar funktioniert.

Daher kann ich diesen Film von Veit Helmer, der schon früher mit Filmen wie Absurdistan aufgefallen ist, ohne Einschränkung empfehlen.
Es gibt also sechs von sechs Hüten.

Technisches:

Originaltiel: The Bra

Regie: Veit Helmer Andere Filme: Quatsch und die Nasenbärbande (2014), Baikonur (2011), Absurdistan (2008)

Buch:

Schauspieler:

  • Predrag ‘Miki’ Manojlovic (als Nurlan) Andere Filme: On the Milky Road (2016), Judgment – Grenze der Hoffnung (2014), Die Welt ist groß und Rettung lauert überall (2008)
  • Denis Lavant (als Kamal) Andere Filme: 3 Tage in Quiberon (2018), Ich und Kaminski (2015), Michael Kohlhaas (2013)
  • Paz Vega (als Daria) Andere Filme: Pfad der Rache (2017), Tod in Sevilla (2014), Mein Vater, seine Frauen und ich (2009)

Kamera: Felix Leiberg Andere Filme: Quatsch und die Nasenbärbande (2014), Aufnahmezustand (2012), Berliner Reigen (2007)

Musik: Cyril Morin Andere Filme: Hacker’s Game (2015), An den Ufern der heiligen Flüsse (2013), Die Reise des Personalmanagers (2010)

Verleih: Neue Visionen Filmverleih

FSK: 6
Laufzeit: 90 Minuten
Genre: Comedy
Start: 7 März 2019

IMDB: imdb

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Über reinhard

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