Ein verborgenes Leben

Filmkritik zu:

Ein verborgenes Leben

von Reinhard

 

Über den Film:

Was macht ein Leben aus, was ist Überzeugung Wert, oder Glück.

Als der Film losgeht ist das kein Thema für Franz Jägerstätter. Er ist einfach glücklich. Die Arbeit auf dem Hof ist hart. Aber er beklagt sich nie, kennt es nicht anders, ja liebt es. Und er liebt seine Frau und diese ihn. Und natürlich ihre drei kleinen Kinder. Daneben leben noch seine Mutter und die Schwester seiner Frau auf dem Gehöft. Eine glückliche Zeit.

Aber die Zeiten wandeln sich. Dunkle Wolken ziehen auf. Und wie so oft in solchen Filmen ist das Wetter ein Spiegel der inneren Zustände. Hier aber auch der äußeren, politischen, Lage. Denn Österreich wurde an Deutschland angeschlossen. Franz absolviert seinen Wehrdienst. Wo er lernt, mit Gewehr und Machete auf Stroh-Soldaten loszugehen. Und das nur widerwillig macht. Aber diese Zeit geht vorüber. Er kommt wieder heim. Zu Familie, Verwandte und der Dorfgemeinschaft.

Und Letztere werden immer wichtiger. Denn Franz ist überhaupt nicht auf einer Linie mit Hitler. Überhaupt nicht einverstanden mit dem Krieg. Und andere im Dorf sind das auch nicht. Aber man schreib das Jahr 1940, und später, und da darf das nicht laut gesagt werden. Und überhaupt, die Nazis sind, vielleicht nicht die Mehrheit, aber sie sind die Lautesten. Und Franz ist im Grund seines Herzens ein guter Mensch. Geht dem Konflikt aus dem Weg.

Aber er lügt auch nicht. Als der Bürgermeister ihn anmacht, geht er noch weg. Aber schon wenig später spricht er offen aus was er denkt. Er erhält auch Zuspruch. Aber in erster Linie Gegenwind. Die Nationalisten sind im Aufwind, und lassen ihn das auch spüren. In endlosen Diskussionen versuchen diese Franz zu überzeugen.

Der Versuch Schützenhilfe von der Kirche zu erhalten scheitert. Der örtliche Pfaffe unterstützt ihn zwar, wenigstens ein bisschen. Aber der Bischof redet sich raus.

Dabei ist es eigentlich ein religiöser Film, wie jeder Film von Terrence Malick ein Religiöse ist. Aber das bedeutet eben nicht platt für den Glauben, sondern Religion aus dem Herzen. Hier im Herzen Österreichs ist das natürlich katholisch. Aber das ist wirklich nicht wichtig.

Und dann kommt das was alle befürchtet haben, sein Einberufungsbescheid. Die Hoffnung das ihm, als Bauer und Ernährer des Volkes, das erspart bliebe, ist dahin.

Lange wird darüber diskutiert, welche Optionen er hat. Soll er in den Wald gehen, einfach verschwinden? Aber was ist mit Frau und Kindern. Mit den Menschen, die von ihm anhängig sind? Als er den Rucksack anzieht ist es dem Zuschauer, zumindest mir, noch nicht klar wie die Entscheidung aussieht.

Aber tatsächlich folgt er der Aufforderung. Noch.

Denn als er angekommen ist, wird er aufgefordert, es scheint noch am gleichen Tag zu sein, den Eid auf Adolf Hitler zu leisten. Und da verweigert sich der Bauer aus Österreich. Doch damit beginnt das Martyrium erst.

Aber Malick erzählt die Geschichte nicht unbedingt über die Handlung. Sein Werkzeug ist die Kamera. Sind Licht und Formen, wie in jedem seiner Filme. Angefangen 1973 mit Badland, über Tree of Life. Und jetzt wieder hier. Die Kamera ist dabei, nennen wir es unorthodox. Die Gesichter der gerade Sprechenden, die sind oft nur zur Hälfte zu sehen, häufig ist die obere Hälfte abgeschnitten.
Oder die Kamera geht, mitten im Gespräch, ganz nah auf einen der Beteiligten. Um nur wenige Sekunden später wieder zurück zur Übersicht zu gehen.

Den Gesichtern nahe zu sein ist ohnehin etwas, das man hier oft sieht. Und Nahe meint richtig Nahe. Egal ob im Gras, mit den beiden Verliebten, oder später im Gefängnis.

Die Dialoge sind dagegen, na ja eigentlich nicht existent. Es wird durchaus geredet, aber wenig miteinander. Es sind viel häufiger lange Monologe. Wunderbare Monologe. Aber zumeist redet jeder für sich. Egal ob es die Wachen sind, oder sein Verteidiger. Franz dagegen redet immer weniger, er wird aus seinen Briefen zitiert. Und auch wenn ich nicht viele Filme mit August Diel gesehen habe. Es ist sicherlich einer der Besten, den er gemacht hat.

Und dann, immer wieder, die Kamera.
Oder der Schnitt. Wenn Szenen aus dem Zuchthaus, begleitet von Passagen seiner Briefe, mit Szenen auf der grünen Wiese abwechseln. Einfach wahrhaftig.

Aber, das muss gesagt werden, der Film entwickelt seine volle Wucht erst nach einer Stunde. Immerhin da kommen ja auch noch fast zwei Stunden Film. Für viele Zuschauer ist das jedoch eine ungewohnte Länge. Aber es lohnt sich. Die poetischen Passagen, in denen er über seine Gefangenschaft philosophiert, wunderbar.

Mir hat dieser nicht einfache Film unheimlich gut gefallen.
Daher vergebe ich sechs meiner sieben Hüte

Technisches:

Originaltiel: A Hidden Life

Regie: Terrence Malick Andere Filme: Song to Song (2017), The Tree of Life (2011), Der schmale Grat (1998)

Buch: Terrence Malick Andere Filme: Song to Song (2017), The Tree of Life (2011), Der schmale Grat (1998)

Darsteller:

  • August Diehl (als Franz Jägerstätter) Andere Filme: Kursk (2018), Nachtzug nach Lissabon (2013), Inglourious Basterds (2009)
  • Valerie Pachner (als Fani Jägerstätter) Andere Filme: Egon Schiele – Tod und Mädchen (2016), Vor der Morgenröte (2016), Jack (2015)
  • Maria Simon (als Resie Schwaninger) Andere Filme: Ich gehöre ihm (2017), Das Geständnis (2015), Good Bye Lenin! (2003)
  • Tobias Moretti (als Fr. Fürthauer) Andere Filme: Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm (2018), Das ewige Leben (2015), Das finstere Tal (2014)

Kamera: Jörg Widmer Andere Filme: Die Unsichtbaren – Wir wollen leben (2017), Pina – tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren (2011), Buena Vista Social Club (1999)

Musik: James Newton Howard Andere Filme: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016), Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis (2014), Wasser für die Elefanten (2011)

Verleih: Weltkino Filmverleih

FSK: 12
Laufzeit: 174 Minuten
Genre: Drama
Start: 30. Januar 2020

Homepage: Homepage
IMDB: imdb
Wikipedia: wiki

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Über reinhard

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