Es gilt das gesprochene Wort

Filmkritik zu:

Es gilt das gesprochene Wort

von Reinhard

gesehen auf dem Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen 2019

 

Über den Film:

Es beginnt mit einer Hochzeit. Aber da sind wir eigentlich schon mitten in der Geschichte.

Denn es beginnt deutlich früher.
Marion ist mit ihrem Verhältnis im Urlaub, in der Türkei. Und dort lernt sie Baran kennen. D. h. kennenlernen trifft es nicht gerade. Er schmeißt sich als Möchte-gern-Lover an die toughe Deutsche ran. Die ist eher angeekelt, aber auch irgendwie fasziniert.

Und wenig später sind die beiden in Deutschland, und ein Paar. D. h. ein Paar sind die beiden nicht, denn es ist nur eine geschäftliche Vereinbarung. Drei Jahre braucht der Türke damit er, durch die Ehe, einen deutschen Pass erhält. Und “wenig später” stimmt auch nicht. Denn es vergeht doch einiges an Zeit im Kino bis zu diesen Punkt.

Darin erfährt man, dass Marion Pilotin ist, aber gerade wegen ihrer Krankheit nicht fliegen darf. Oder das die Beziehung zu ihrem Freund eher zwiespältig ist. Oder das Baran sich ständig an Frauen ran macht. Reiche Frauen die das Geld haben ihn zu bezahlen. Aber auch Frauen, die er regelmäßig fragt, ob sie ihn heiraten. Um ebenso regelmäßig eine Abfuhr zu erhält, selbst von den Hässlichen.

Das alles passiert im “I was”, denn der englische Titel lautet “I Was, I Am, I Will Be”. Und dementsprechend ist der Film in drei Kapitel unterteilt. Wir sind jetzt, nach seiner Ankunft in D, nach der Hochzeit, im “Ich bin”. In dem hier wird beschrieben, wie es mit diesem Traumpaar weiter geht. Er spricht kein Deutsch, Sie kein Türkisch. Unterhaltungen finden in Englisch statt, das er auch nur ungenügend spricht.

Aber vor allem: Es ist zwar Seine Motivation relativ klar. Aber was treib die Kapitänin an? Sie riskiert ja nicht nur das Geld das sie investiert, das dürfte das wenigste sein. Es ist das gesellschaftliche Ansehen, eine drohende juristische Verfolgung, eine berufliche Vernichtung die hier in die Waagschale geworfen werden. Dinge die Baran nicht, oder nur spät, klar werden. Und die Deutsche hält sich nicht etwa einen Lustknaben. Das wäre für anspruchsvolles Arthaus ja zu einfach, und dann hätte es der Film wohl auch kaum zum Festival des deutschen Films geschafft.

Nein, tatsächlich wird ihre Motivation nicht erklärt. Und das ist gut so. Denn dadurch wird eine Spannung erhalten, bis zum Ende, bis zum “Ich werde Sein”. Und auch mir, jetzt wo ich das schreibe, noch unklar ist. Auch nach der Fragestunde mit dem Produzenten. Und es ist die Leistung der Schauspielerin dieses trotzdem glaubwürdig rüber zu bringen.

Daher bekommt dieser Film satte fünf meiner sieben Hüten.

Regie: Ilker Çatak Andere Filme: Es war einmal Indianerland (2017), Sadakat (2014), Mehrzahl Heimat (2007)

Buch:

  • Nils Mohl Andere Filme: Es war einmal Indianerland (2017)
  • Ilker Çatak Andere Filme: Zeitraum (2014), Mehrzahl Heimat (2007)
  • Johannes Duncker Andere Filme: Zeitraum (2014), Namibya sehir iken… (2010), Zwischen den Ufern (2008)

Schauspieler:

  • Anne Ratte-Polle (als Marion) Andere Filme: Der Geburtstag (2019), Die Hannas (2016), Shahada (2010)
  • Ogulcan Arman Uslu (als Baran) Andere Filme: –
  • Godehard Giese (als Raphael) Andere Filme: Bruder Schwester Herz (2019), Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm (2018), A Cure for Wellness (2016)

Kamera: Florian Mag Andere Filme: Es war einmal Indianerland (2017), Millennials (2017), Schweben wie Schmetterlinge, stechen wie Bienen (2013)

Musik: Marvin Miller Andere Filme: Ballon (2018), Die Tote aus der Schlucht (2014), Sadakat (2014)

Verleih: X Verleih

FSK: 12
Laufzeit: 122 Minuten
Genre: Drama
Start: 1 August 2019

Homepage: Homepage
IMDB: imdb
Wikipedia: wiki

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