Moskau Einfach!

Filmkritik zu:

Moskau Einfach!

von Reinhard

 

Über den Film:

gesehen auf den Solothurner Filmtagen 2020

Es ist das Jahr 1989, aber nicht die DDR. Auch, wenn es sich manchmal so anfühlt.

Wir sind in der Schweiz,

in der auch Leute überwacht und abgehört wurde. Massenhaft.

Viktor ist einer von den Beamten, die diese machten. Ein Überzeugungstäter. Wenn auch eher unscheinbar und wohl kaum für den Einsatz mit dem Feind geeignet. Dabei ist es eine heiße Zeit. Die Abstimmung, ob die Schweizer Armee abgeschafft werden soll, steht an. Und jeder der das will, ist automatisch Der Feind.

Ein Radiomoderator gehört dazu, genau so wie eine Theatertruppe. Viktor tut sich hervor, als er die Verknüpfungen der Personen in diesen Truppen auf bröselt. Und … wird in Urlaub geschickt.

Tatsächlich macht er einen undercover Einsatz. Einen undercover undercover Einsatz. Denn offiziell ist das nicht. Das ging gar nicht. Aber immerhin steht die Existenz der Schweiz auf dem Spiel. Also macht er mit.

Es wird eine Vita erfunden, er ist Matrose, und lässt sich als Statist für das neue Stück anheuern. Die Vorbereitungen sind zum Schreien. Wie die graue Maus vor dem Spiegel steht, und seine Rolle als Seemann probt. Wie die Verwandlung, in Kleidung und Verhalten, vonstattengeht. Einfach köstlich. Und überzeugend.

Dann dringt er in die Truppe ein. Und die ist noch verrückter. Die Proben sind wie im Kindergarten, nur schlimmer. Doch er nimmt langsam Kontakt zu den Leuten auf, und verguckt sich in eine der Schauspielerinnen. Aber überraschend für ihn ist seine Statistenrolle dann doch etwas größer. Es ist eine Sprechrolle. Keine Große, aber mehr als er erwartet hat.

Und dann wird die Rolle noch größer weil … Gründe. So wie seine Zuneigung zu Odilie größer wird. Und die Proben nehmen ihren Lauf.

Aber was ist das für eine rote Plastiktüte mit dem Konterfei von Max, in der immer diese Papiere verschwinden? Oder was tuschelt da Odilie immer mit dem Regisseur, was ist das für ein großes Ding, das da ansteht? Und überhaupt, der Regisseur, der ist verdächtig. SChreibt er im Bericht, in den Karten, den Fichen. Und andere trinken gerne mal abends ein Bier. Also höchst verdächtig.

Und das wäre eine reine Lachnummer, wenn es den Fichenskandal nicht wirklich Ende der 80er offenbart worden wäre. Mehrere Hunderttausend Menschen wurden überwacht. Und oft genug ohne rechtliche Grundlage, ohne Absicherung durch Richter oder einen demokratischen Prozess.

So zieht diese wunderbare Groteske die damalige Geschichte durch den Kakao, ganz wie es sich gehört. Und mit wunderbaren Schauspielern und einem Ambiente, echt wer die damaligen Tapeten nicht selbst erlebt hat, glaubt nicht, dass es das wirklich gab. Aber ich hab’s erlebt, ich kanns bestätigen.

Nur vom dem Skandal hab ich nichts mit gekriegt. Na ja, wir Deutsche waren auch mit dem Mauerfall beschäftigt.

Also von mir bekommt er 5 Hüte.
Denn auch ohne den historischen Hintergrund ist er gut, und kommt sicherlich irgendwann auf 3-Sat.

 

Mehr zum Fichenskandal gibt hier https://de.wikipedia.org/wiki/Fichenskandal

 

Technisches:

Regie: Micha Lewinsky Andere Filme: Nichts passiert (2015), Die Standesbeamtin (2009), Der Freund (2008)

Buch:

Schauspieler:

  • Philippe Graber (als Viktor Schuler) Andere Filme: Die fruchtbaren Jahre sind vorbei (2019), Ostfriesisch für Anfänger (2016), Draussen ist Sommer (2012)
  • Miriam Stein (als Odile Lehmann) Andere Filme: 100 Dinge (2018), Hin und weg (2014), Der Verdingbub (2011)
  • Mike Müller (als Marogg) Andere Filme: Die Welt der Wunderlichs (2016), Tell (2007), Undercover (2005)
  • Michael Maertens (als Carl Heymann) Andere Filme: Rocca verändert die Welt (2019), Finsterworld (2013), Die Vermessung der Welt (2012)

Kamera: Tobias Dengler Andere Filme: Finsteres Glück (2016), Amateur Teens (2015), Freiheitsfieber (2009)

Musik: Ephrem Lüchinger Andere Filme: Lotto (2017), Being There (2016), Between Us (2016)

Verleih: Vinca Film

Laufzeit: 99 Minuten
Genre: Komödie

Homepage: Homepage
Wikipedia: wiki
IMDB: imdb

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Über reinhard

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