Die Poesie des Unendlichen

Filmkritik zu:

Die Poesie des Unendlichen

von Reinhard

 

Über den Film:

Ein Scherz, ein Streich? Denkt sich Professor Hardy (Jeremy Irons) als er den Brief öffnet. Aber woher hat der Kollege die Briefmarken, Briefmarken aus Indien.

In dem Brief stellt sich ein junger Inder vor,

der die eine oder andere Idee zu manchen seiner mathematischen Theoremen hat. Als Beleg sind einige Seiten mit Ausführungen beigelegt.

Aber dieser Inder Srinavasa Ramanujan, gespielt von Dev Patel, ist echt. Und bis es zu diesem Brief kommt, ist auch schon eine gehörige Anzahl Meter Film beim Zuschauer angekommen. Ramanujan, den es wirklich gab, arbeitet als Buchhalter, nein als Gehilfe des Buchhalters, oder war er der Gehilfe des Gehilfen? Jedenfalls mit einem mickrigen Einkommen, um seiner Frau und seiner Mutter, gerade so, ein einfaches Leben zu ermöglichen. Im Kolonial-Indien, in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Aber seine Liebe gilt den Zahlen und den Formen, die sich darin offenbaren. Ohne klassische Ausbildung hat er sich alles selbst erarbeitet. Dabei ist er nicht einfach ein Rechengenie, der mit Zahlen jonglieren kann, das auch. Aber er liebt die Muster, die er dabei entdeckt, die Formen, die sich offenbaren. Und scheitert doch als er dieses einmal seiner, noch sehr jungen, Frau erklären will.

Nur ein Vorgesetzter erkennt das Potenzial, das hinter dieser Leidenschaft steckt. Und in deren Gesprächen wird ebenso viel über Mathematik wie über Philosophie geredet. Er initiiert auch den besagten Brief.

G. H. Hardy ist Mathematikprofessor im angesehenen Trinity-College in Cambridge, England. Er macht es möglich, das Ramanujan an seine Universität kommt und sich als Student einschreibt. Und es sind hauptsächlich die gemeinsamen Stunden, die produktiv sind.

Doch es gibt auch Rückschläge. Primzahlen sind auch für Ramanujan nicht so einfach zuknacken. Aber seine Reihen, die schnell ins Unendliche – ins Unbekannte führen, liebt er.

Und dieses Unbekannte, so könnte man sagen, ist das Thema dieses Films. Nicht nur die Mathematik. An die die Meisten nur mittelprächtige Erinnerung aus der Schulzeit haben. Es ist das neue Haus, in das die kleine Familie zieht. Oder die lange Reise, die der Ehemann alleine auf sich nimmt. Das fremde, kalte England. Und mit kalt ist nicht nur das Wetter gemeint. Aber anders herum gilt es auch. Auch die Engländer müssen sich erst daran gewöhnen, dass ein Inder nicht als Bediensteter agiert, sondern als Student ein Gleichgestellter ist. Etwas das manch einem nicht gefällt, und es auch zeigt.

Doch auch das Scheitern wird gezeigt, weil nicht alles, allein aus gutem Willen, möglich ist. Manche Dinge sind unüberwindlich. Wie die Diskussionen zum Thema Glaube und Religion zwischen Hardy und Ramanujan, oder auch einfachem Wissenschaftlichen vorgehen, zeigen.

Daher ist es nicht einfach verfilmte Geschichte, für das Bildungsbürgertum, die hier gezeigt wird. Es geht auch um Konflikte, die auch heute, hundert Jahre später, noch genau so präsent sind. Auch und gerade im Deutschland des Jahres 2016. Und die Lösung, die im Film gezeigt wird, war damals genau so richtig wie heute. Nämlich das man sich einfach bemüht, den anderen heute etwas besser zu verstehen als gestern. Und der Andere es ebenso macht.

Nur schade das der Film, bei allem Potential die der Stoff hergibt, doch recht bieder geworden ist. Die Charaktere sind, abgesehen von den 2~3 Hauptpersonen, eher schlicht angelegt. Die Resantimons gegen Ramanujan werden nicht genauer begründet. Und sind daher, bei dem Jahrhundert, das zwischen der Geschichte und der Gegenwart liegt, nicht nachvollziehbar. Dass der Film doch nicht abstürzt, ist hauptsächlich Jeremy Irons und Dev Patel zu verdanken.

Technisches:

Originaltitel: The Man Who Knew Infinity

Regie: Matt Brown Andere Filme: Ropewalk (2000)

Buch:

Schauspieler:

  • Jeremy Irons (als G.H. Hardy) Andere Filme: Nachtzug nach Lissabon (2013), Der Dieb der Worte (2012), Königreich der Himmel (2005)
  • Dev Patel (als S. Ramanujan) Andere Filme: The Road Within (2014), Best Exotic Marigold Hotel (2011), Slumdog Millionär (2008)
  • Toby Jones (als Littlewood) Andere Filme: Snow White and the Huntsman (2012), Die Tribute von Panem – The Hunger Games (2012), Captain America: The First Avenger (2011)

Kamera: Larry Smith Andere Filme: Am Sonntag bist du tot (2014), The Blue Mansion (2009), Bronson (2008)

Musik: Charles M. Barsamian (und viele andere) Andere Filme: Der Glücksbringer – Liebe gibt es nicht umsonst (2015), Outcast – Die letzten Tempelritter (2014), Whiplash (2014)

Verleih: Universum Film

FSK: 6
Laufzeit: 114 Minuten
Genre: Drama
Kinostart: 12. Mai 2016
Wikipedia: wiki (engl.)
IMDB: imdb

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Über reinhard

Ich bin der, der diesen Blog betreibt.
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