Nahschuss

Filmkritik zu:

Nahschuss

von Reinhard

gesehen auf dem Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen 2021

 

Über den Film:

Die Aussichten sind zu verlockend. Und genau damit wird er gelockt.
Aussicht auf eine Professur. Viel schneller als sonst üblich. Ohne jahrelang im Wissenschaftsbetrieb verschlissen zu werden.

Alles, was er dazu machen muss, ist für ein paar Jahre seine Arbeitskraft der Stasi zur Verfügung zu stellen. Denn wir sind in der DDR, Ende der 60er. Kein Jahrzehnt nach dem Mauerbau. Noch mitten im Kalten Krieg.

Und Franz Walter, gespielt von Lars Eidinger, lässt sich natürlich darauf ein.

Dabei ist schnell klar, dass er in erster Linie ausgewählt wurde, weil ein Jugendfreund von ihm „über gemacht hat“. Also illegal die DDR verließ und inzwischen im Westen als erfolgreicher Fußballer den Parteigenossen die lange Nase zeigt. Zumindest empfinden die es so. Da wird jedes einzelne Tor von ihm als Affront gegen den Arbeiter und Bauernstaat gewertet.

Franz leuchtet, zusammen mit seinen neuen Kollegen, das Umfeld des Kickers aus. Denn es gibt noch Umfeld in der Ostzone. Aber auch dessen Schritte im Westen werden überwacht, Spitzel und Lockvögel werden platziert.

Parallel dazu werden die Lebensumstände von Franz gezeigt. Seine damalige Freundin, spätere Frau. Die von seiner Tätigkeit keine Ahnung hat. Sich nur wundert, dass die Kollegen genau wissen welchen Sport sie so liebt.

Und eingebettet ist das alles in eine Gerichtsverhandlung gegen Franz. Und ich spoilere jetzt nicht, denn es steht eh in jedem Artikel zu dem Film, dass es um das letzte in der DDR vollzogene Todesurteil handelt. Also noch bevor sich der Vorhang hebt, ist dem informierten Zuschauer klar, wie die Geschichte ausgeht.

Auch, wenn der Film selbst damit nicht spielt. Es dauert eine ganz Weile bis er erste Zweifel an der Tätigkeit, besonders an den Methoden, bekommt. Es wird eher langsam sein Unwohlsein gezeigt mit dem, was da so abgeht. Seine unbeholfenen Versuche einzugreifen.

Aber diese Aktionen bleiben nicht unbemerkt. Der Druck auf ihn wird verstärkt. Und dieser Druck findet sich in der Figur seines Vorgesetzten, gespielt von Devid Striesow, seine Personifizierung.

Und über weiter Strecken ist es dieses Belauern zwischen diesen beiden, die den Film so besonders macht. Etwas dass eben nur klappen kann, wenn man so herausragende Schauspieler hat. Und hier klappt es.

Deshalb kann ich ihn sehr empfehlen. Er bekommt von mir sechs meiner sieben Hüte, also ein Spitzen Film.

Technisches:

Regie: Franziska Stünkel Andere Filme: Der Tag der Norddeutschen (2012), Vineta (2006), Fury in the Slaughterhouse Live in Concert: Monochrome (2002)

Buch: Franziska Stünkel Andere Filme: Der Tag der Norddeutschen (2012), Vineta (2006), Breitengrad (2003)

Darsteller:

  • Lars Eidinger (als Dr. Franz Walter) Andere Filme: Persischstunden (2020), Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm (2018), Die Wolken von Sils Maria (2014)
  • Devid Striesow (als Dirk Hartmann) Andere Filme: Alfons Zitterbacke: Das Chaos ist zurück (2019), Licht (2017), Das weiße Kaninchen (2016)
  • Luise Heyer (als Corina Walter) Andere Filme: Der Junge muss an die frische Luft (2018), Fado (2016), Ein Geschenk der Götter (2014)

Kamera: Nikolai von Graevenitz Andere Filme: Hedi Schneider steckt fest (2015), Nachtlärm (2012), Hotel Very Welcome (2007)

Musik: Karim Sebastian Elias Andere Filme: Schatz, nimm Du sie! (2017), Antonio, ihm schmeckt’s nicht! (2016), Otto’s Eleven (2010)

Verleih: Alamode Film

FSK: 12

Laufzeit: 116 Minuten
Genre: Drama
Start: 12 August 2021

IMDB: imdb

Wikipedia: wiki

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Über reinhard

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